Im russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk sind am Dienstag, dem 13. Januar, mehrere von Griechenland betriebene Öltanker Ziel eines Drohnenangriffs geworden.
Von HB-Redakteur Vangelis Makris
Aktuell – Wie die internationale Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Sicherheits- und Branchenkreise berichtete, wurden die Schiffe „Delta Harmony“ und „Delta Supreme“ der Reederei Delta Tankers sowie die „Matilda“ des griechischen Unternehmens Thenamaris attackiert. Nach übereinstimmenden Angaben erlitten alle betroffenen Tanker lediglich leichte Sachschäden und blieben seetüchtig. Verletzte wurden nicht gemeldet.
Den Berichten zufolge gingen die Angriffe von ukrainischen Drohnen aus. Medienangaben zufolge waren die Schiffe nicht am Transport russischen Erdgases beteiligt. Stattdessen warteten sie vor der Schwarzmeerküste auf die Beladung mit kasachischem Rohöl. Die Tanker befanden sich in oder nahe einem Terminal an der russischen Schwarzmeerküste, das zum Kaspischen Pipeline-Konsortium (CPC) gehört, einem zentralen Umschlagplatz für kasachische Ölexporte.
Zwei der betroffenen Schiffe lagen demnach in der Nähe des CPC-Terminals, über das rund 80 Prozent der kasachischen Ölausfuhren abgewickelt werden. Die Tanker sollten Rohöl aus den großen Förderprojekten Tengizchevroil und Karatschaganak übernehmen. Beide Felder zählen zu den bedeutendsten Energieprojekten Kasachstans und werden von internationalen Konsortien betrieben, an denen unter anderem Unternehmen aus den USA, Italien, Russland und Kasachstan beteiligt sind.
Die „Delta Harmony“, betrieben von Delta Tankers, war für die Beladung mit Öl aus dem Tengizchevroil-Feld vorgesehen. Die „Matilda“ von Thenamaris sollte Rohöl aus dem Karatschaganak-Projekt aufnehmen. Nach Angaben eines Sprechers von Thenamaris wurde die „Matilda“ rund 30 Seemeilen vom CPC-Terminal entfernt von zwei Drohnen getroffen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Schiff im Ballastmodus, die Tanks waren mit Wasser gefüllt, um die Stabilität des Tankers zu gewährleisten. Ein nach dem Treffer an Deck ausgebrochenes Feuer konnte umgehend gelöscht werden. Der entstandene Schaden wurde als gering und vollständig reparabel beschrieben.
Auch aus dem Umfeld der maritimen Sicherheit hieß es, es habe zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Besatzung, Schiff oder eine mögliche Ladung bestanden. Offizielle Vertreter des Kaspischen Pipeline-Konsortiums äußerten sich auf Anfrage nicht zu dem Vorfall.
Die CPC-Pipeline verläuft über mehr als 1.500 Kilometer von den Fördergebieten im Westen Kasachstans bis zum Schwarzmeerterminal Juschnaja-Ozerejewka nahe Noworossijsk und gilt als strategisch wichtige Exportader für Öl aus der Region. Tengizchevroil, ein internationales Joint Venture unter anderem mit Chevron, ExxonMobil, KazMunayGas, Lukoil und Eni, betreibt eines der größten Ölfelder des Landes. Das Karatschaganak-Konsortium, an dem unter anderem Eni, Chevron und KazMunayGas beteiligt sind, fördert Gas und Kondensate und speist seine Exporte ebenfalls in das CPC-System ein.
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist das Schwarze Meer zunehmend Schauplatz militärischer Spannungen. Angriffe auf Schiffe und Hafeninfrastruktur haben in den vergangenen Monaten wiederholt für Unruhe in der internationalen Schifffahrt und im Energiesektor gesorgt. (mav)





