Griechische Mythen zwischen Burgruinen und Meer: Sancti Petri erleben

Vor der Küste Andalusiens, 16 Kilometer südlich der Stadt Cádiz, liegt die kleine, karge Insel Islote de Sancti Petri, die trotz ihrer bescheidenen Größe eine faszinierende Geschichte birgt.
Von HB-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Reisen/Magazin – Einst streng bewachtes militärisches Sperrgebiet, steht die Insel heute unter dem Schutz des spanischen Umweltministeriums und öffnet sich dem neugierigen Blick von Geschichts- und Naturliebhabern gleichermaßen. Schon im 1. Jahrhundert vor Christus erwähnte der griechische Historiker Strabon in seinem Werk Geographica die Bedeutung dieses Ortes: Die Tyrer gründeten hier die Stadt Gadeira, im östlichen Teil der Insel errichteten sie ein Heiligtum für Melkart, den sie mit Herkules gleichsetzten. Diese Verbindung zur griechischen Mythologie macht die Insel zu einem einzigartigen Reiseziel, das antike Legenden lebendig werden lässt.

Auf der Islote de Sancti Petri sind heute noch die imposanten Ruinen einer Burg aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. Der originale Turm wurde im Laufe der Zeit mehrfach umgebaut und dient inzwischen als Leuchtturm. Die Burg, 1993 zum Kulturdenkmal erklärt, erzählt von den strategischen Kämpfen und maritimen Abwehranlagen, die die Küste Andalusiens über Jahrhunderte prägten. Die geringe Größe der Insel täuscht über ihre historische Bedeutung hinweg, denn hier lagen die Wurzeln einer Kultstätte, die schon von antiken Seefahrern wie Hannibal besucht wurde, bevor er seinen legendären Alpenzug antrat. Auch der griechische Gelehrte Poseidonios verbrachte einen Monat in Cádiz und hinterließ wertvolle Berichte über das Heiligtum, die heute wichtige Quellen zur Erforschung der Region darstellen.

Die Verbindung zu Griechenland zeigt sich nicht nur in den alten Quellen, sondern auch in der Mythologie, die die Insel umgibt. Melkart, der phönizische Stadtgott von Tyros, wurde von den Griechen mit Herkules identifiziert. Sein Heiligtum auf der heutigen Islote de Sancti Petri war ein spirituelles Zentrum, das Handel, Religion und Seefahrt miteinander verband. Obwohl die Almoraviden 1146 auf der Suche nach einem legendären Schatz die Kultstätte zerstörten, zeugen Münzen und Inschriften von der reichen antiken Vergangenheit Cádiz’ und der umliegenden Region.

Heute zieht die Islote de Sancti Petri Besucher nicht nur wegen ihrer Geschichte, sondern auch wegen ihrer Naturschönheit an. Die karge Vegetation, die dramatische Küstenlinie und die ruhige Lage machen die Insel zu einem Refugium für Wanderer, Fotografen und Geschichtsinteressierte. Direkt gegenüber, am Festland in Chiclana de la Frontera, erstreckt sich der gleichnamige Strand Sancti Petri, der mit türkisblauem Wasser und feinem Sand lockt. Von hier aus lassen sich Ausflüge zur Insel unternehmen, bei denen man die Spuren antiker Kulturen, mittelalterlicher Festungen und maritimer Legenden hautnah erleben kann.

Die Kombination aus mediterraner Landschaft, historischen Ruinen und mythologischer Aura macht die Islote de Sancti Petri zu einem unvergleichlichen Reiseziel. Jeder Schritt auf der Insel ist wie eine Reise durch die Jahrtausende, von der Zeit der phönizischen Seefahrer über die griechischen Chronisten bis hin zur modernen spanischen Kulturpflege. (cs)

Foto: Stain_Marylight/Pixabay