An der Nordküste Siziliens, wo die Wellen des Tyrrhenischen Meeres Geschichten flüstern und der Wind durch antike Ruinen streicht, liegt ein Ort, der einst ein lebendiges Zentrum hellenistischer Kultur war: Himera.
Von HB-Redakteurin Sabrina Köhler
Reisen – Gegründet im Jahr 648 v. Chr. von Chalkidiern aus Zankle und dorischen Flüchtlingen aus Syrakus, war Himera nicht nur eine Kolonie – sie war ein lebendiges Mosaik griechischer Identität in westlicher Ferne.

Zwischen dem Fluss Imera Settentrionale und dem Torto, nahe der heutigen Bahnstation Buonfornello, erhob sich diese bedeutende Polis an einem steilen Hügel. Dort, wo sich heute der Viktoriatempel in stiller Würde erhebt, feierte die Geschichte einst einen ihrer triumphalsten Siege – und später eine ihrer bittersten Niederlagen.
Im Jahr 480 v. Chr. wurde Himera zum Schauplatz einer der größten Schlachten der Antike: Theron von Akragas und Gelon von Syrakus besiegten gemeinsam die karthagischen Truppen unter Hamilkar – ein Triumph der griechischen Einheit, der zugleich ein Symbol des Widerstands gegen östliche Invasionsmächte war. Zeitgleich zog Xerxes im Osten gegen die Griechen – ein doppelter Sturm, den die Hellenen auf beiden Fronten überstanden.
Doch der Glanz war vergänglich. Nur wenige Jahrzehnte später, 409 v. Chr., schlugen die Karthager zurück. Himera wurde dem Erdboden gleichgemacht, seine Bevölkerung verschleppt, die Polis ausgelöscht. Das Echo griechischer Stimmen verstummte – doch ihre Spuren blieben.
Diese Spuren erzählen noch heute von einer reichen Vergangenheit: Bronzemünzen mit dem Haupt der Nymphe Himera, kunstvoll gearbeitete Wasserspeier und das imposante Hochzeitsgrab bezeugen die kulturelle Blüte der Stadt. Der Viktoriatempel, ein stiller Wächter vergangener Zeiten, steht noch immer aufrecht – ein steinerner Zeuge der griechischen Präsenz im Westen.
Die archäologischen Stätten von Himera wurden erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt und ab 1926 ausgegraben. Die systematische Erforschung begann 1963 und dauert bis heute an. Besucher können die Tempelruinen sowie das Antiquarium mit seinen beeindruckenden Funden besichtigen – oder im Archäologischen Museum in Palermo den Geist Himeras nachempfinden. (sk)

