Die Geschichte der frühen Christenheit ist reich an mutigen Glaubenszeugen, die ihr Leben für die Wahrheit opferten. Einer von ihnen ist der heilige Mennas von Alexandria, auch bekannt als Kallikelados – „der Beredte“. Sein Name bedeutet „der Beständige“ – ein Sinnbild für seinen unerschütterlichen Glauben, der ihn durch grausame Prüfungen führte.
Von HB-Redakteurin Maria Georgiou
Gedächtnis: 10. Dezember und 17. Februar (Auffindung der Gebeine)
Götter & Gelehrte – Am 10. Dezember gedenken orthodoxe und armenische Christen seines Martyriums, während der 17. Februar an die wundersame Auffindung seiner Reliquien im 9. Jahrhundert erinnert. Mennas war ein Mann des Wortes – doch letztlich war es sein Schweigen in der Folter, das seine Botschaft unsterblich machte.
Mennas war ursprünglich ein angesehener Gelehrter und Diplomat. Im Auftrag des Kaisers wurde er nach Alexandria entsandt, um die Spannungen zwischen Heiden und Christen zu schlichten. Doch was als politische Mission begann, führte ihn zu einer viel tieferen Erkenntnis: Beim Studium der Heiligen Schriften erkannte er die Wahrheit des Evangeliums und ließ sich taufen.
Von da an predigte er das Christentum mit einer Überzeugungskraft, die viele Heiden zum Glauben brachte – und ebenso den Zorn der römischen Behörden auf sich zog. Als die Christenverfolgung immer grausamer wurde, ließ man Mennas verhaften und vor den kaiserlichen Beamten Hermogenes bringen.
Die Römer versuchten, Mennas durch Folter zum Schweigen zu bringen. Sie schnitten ihm das Fleisch von den Fußsohlen, stachen ihm die Augen aus und rissen ihm die Zunge heraus. Doch das Unglaubliche geschah: Seine Wunden heilten auf wundersame Weise. Diese Zeichen der göttlichen Kraft erschütterten selbst seinen Richter Hermogenes, der sich daraufhin zum Christentum bekehrte. Auch Eugraphos, der Gerichtsschreiber, ließ sich taufen.
Doch das Wunder hatte seinen Preis. Als Kaiser Galerius (oder nach anderen Quellen Maximinus Thrax) von der Bekehrung seines Beamten erfuhr, ließ er ihn gemeinsam mit Mennas und Eugraphos hinrichten. In blindem Zorn soll der Kaiser Eugraphos eigenhändig erstochen haben, bevor er Mennas und Hermogenes zum Tod durch das Schwert verurteilte. Die Märtyrer wurden in einem Eisenkasten ins Meer geworfen, damit keine Reliquienverehrung stattfinden konnte. Doch ihre Geschichte war noch nicht zu Ende: Im Jahr 868, während der Herrschaft von Kaiser Basilios I., erschien der heilige Mennas einem frommen Mann und wies ihn auf den Fundort der Reliquien hin. Die Überreste wurden daraufhin mit größter Ehrerbietung nach Konstantinopel überführt und in der prächtigen Mennas-Kirche bestattet, die einst Kaiser Justinian I. errichtet hatte.
Eine besondere Reliquie ist bis heute erhalten: Die unverweste Zunge des heiligen Mennas, die im Kloster Leimonos auf Lesbos aufbewahrt wird – ein ewiges Zeichen seiner Gabe der Beredsamkeit.
Die Verehrung des heiligen Mennas lebt bis heute fort. Joseph der Hymnenschreiber, einer der großen Dichter des byzantinischen Kirchenwesens, widmete ihm und seinen Gefährten einen bewegenden Hymnus. Ikonen zeigen Mennas oft an der Seite von Hermogenes und Eugraphos, als unzertrennliches Dreigestirn des Glaubens.
Sein Gedenktag am 10. Dezember wird in orthodoxen Kirchen weltweit mit Liturgien und Gebeten gefeiert, während der 17. Februar an die wundersame Wiederentdeckung seiner Gebeine erinnert. Die armenische Kirche ehrt ihn ebenfalls am Montag nach dem dritten Adventssonntag. (mg)





