Wenn versunkene Erinnerungen auftauchen: Das Wiedererscheinen von Kallio im Mornos-Stausee

In den entlegenen Berglandschaften Mittelgriechenlands schlängelt sich der Fluss Mornos durch die Präfektur Fokida, entspringend an den südlichen Hängen des imposanten Oite-Gebirges.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos

Geschichte/Reisen – Sein Lauf führt ihn durch malerische Täler, gesäumt von den majestätischen Gipfeln des Giona, Iti, Ori Lidorikiou und Vardousia, bevor er schließlich in den Golf von Korinth mündet. Doch es ist nicht nur die natürliche Schönheit des Mornos, die ihn in den Fokus rückt, sondern auch seine zentrale Rolle in der Wasserversorgung Athens und die jüngsten klimatischen Herausforderungen, die das Land erschüttern.​

In den späten 1970er Jahren wurde der Mornos-Stausee geschaffen, um die wachsende Metropole Athen mit Trinkwasser zu versorgen. Für dieses ambitionierte Projekt musste das Dorf Kallio weichen; seine Bewohner wurden umgesiedelt, und die Gebäude versanken in den aufgestauten Fluten. Fast fünf Jahrzehnte lang ruhten die Überreste des Dorfes still unter der Wasseroberfläche, verborgen vor den Augen der Welt.​

Doch im Sommer 2024 offenbarte sich ein überraschendes und zugleich beunruhigendes Bild: Aufgrund einer der schwersten Dürren seit Jahrzehnten sank der Wasserspiegel des Mornos-Stausees dramatisch, sodass die Ruinen von Kallio wieder ans Tageslicht traten. Fundamente von Häusern, die Schule und sogar die Kirche des einst lebendigen Dorfes standen plötzlich wieder sichtbar in der trockengelegten Seelandschaft. Dieser Anblick zog zahlreiche Schaulustige an, darunter ehemalige Bewohner, die mit gemischten Gefühlen auf die freigelegten Relikte ihrer Vergangenheit blickten. ​

Die Ursachen für diesen drastischen Wasserrückgang sind vielfältig. Ein außergewöhnlich schneearmer Winter, gefolgt von intensiven Hitzewellen im Sommer, führte zu einer erheblichen Reduktion der Niederschläge. Satellitendaten des griechischen Wetteramtes zeigen, dass die Fläche des Mornos-Stausees innerhalb von zwei Jahren von über 17 auf rund 12 Quadratkilometer geschrumpft ist. ​

Diese Entwicklung hat weitreichende Konsequenzen. Der Mornos-Stausee, der seit Jahrzehnten einen Großteil des Trinkwassers für Athen liefert, kann diese Funktion nur noch eingeschränkt erfüllen. Die staatliche Wasserbehörde EYDAP erwägt daher, zusätzliche Wasserquellen wie den nahegelegenen See Yliki zu nutzen, um den Bedarf der Millionenstadt zu decken. ​

Die Wiederkehr von Kallio dient als mahnendes Symbol für die Auswirkungen des Klimawandels und die dringende Notwendigkeit nachhaltiger Wasserbewirtschaftung. Experten warnen, dass, sollte der kommende Winter erneut trocken ausfallen, strikte Wassersparmaßnahmen in Athen unumgänglich sein werden. Die griechische Regierung betont die Bedeutung des verantwortungsvollen Umgangs mit Wasserressourcen und plant den Bau weiterer Staudämme, um zukünftigen Engpässen vorzubeugen. (jk)

Foto: Von User:Future Perfect at Sunrise – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2043283

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