Valentinstag – ein Tag, an dem die Liebe in all ihren Facetten gefeiert wird. Doch Liebe ist nicht nur ein romantisches Ideal, sondern eine vielschichtige Kraft, die in der griechischen Mythologie in verschiedene Formen unterteilt wurde. Diese Differenzierung prägt bis heute unser Verständnis von zwischenmenschlichen Beziehungen.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Aktuell – Eros (Ἔρως), die begehrliche, körperliche Liebe, ist die wohl intensivste und oft unkontrollierbarste Form der Zuneigung. In der Mythologie wurde er als Gott dargestellt, der mit seinen Pfeilen Menschen in leidenschaftliches Verlangen versetzt. Seine römische Entsprechung ist Amor oder Cupido. Eros steht für die körperliche Anziehung und die ekstatische, oft überwältigende Natur der Liebe. Sie kann ebenso inspirierend wie gefährlich sein – ein Feuer, das gleichermaßen wärmen und verbrennen kann.
Philia (φιλία) beschreibt die freundschaftliche Liebe, die tiefe Verbundenheit zwischen Menschen, die durch Loyalität, Vertrauen und gemeinsame Werte gestärkt wird. Aristoteles betrachtete Philia als eine der höchsten Formen der Liebe, da sie auf Respekt und gegenseitiger Wertschätzung basiert. Diese Form der Liebe zeigt sich in engen Freundschaften, familiären Beziehungen und tiefgehenden Partnerschaften.
Agape (ἀγάπη) ist die reinste Form der Liebe – selbstlos, allumfassend und bedingungslos. Sie geht über das persönliche Verlangen hinaus und umfasst Nächstenliebe sowie Mitgefühl. Im Christentum wird Agape als die göttliche Liebe verstanden, die sich in der aufopferungsvollen Liebe eines Menschen für andere manifestiert. Diese Liebe ist von höchster moralischer Reinheit und übersteigt jegliche Eigeninteressen.
Storge (στοργή) beschreibt die natürliche Zuneigung innerhalb der Familie, insbesondere zwischen Eltern und ihren Kindern. Diese Liebe ist tief verwurzelt und wächst mit der Zeit. Sie zeigt sich in der bedingungslosen Fürsorge, die Eltern ihren Kindern entgegenbringen, oder in der natürlichen Vertrautheit zwischen Geschwistern.
Philautia (φιλαυτία) beschreibt die Selbstliebe – eine Form der Liebe, die oft missverstanden wird. Während eine gesunde Selbstliebe als essenziell für das Wohlbefinden und die persönliche Entwicklung gilt, kann eine übersteigerte Form in Narzissmus münden. Aristoteles sah in der Selbstliebe die Grundlage dafür, andere wahrhaftig lieben zu können. Wer sich selbst achtet und respektiert, kann dieselbe Liebe auf andere übertragen.
Die Griechen differenzierten die Liebe noch weiter: Ludus bezeichnet die spielerische, unverbindliche Liebe, während Pragma eine reife, auf Vernunft und langfristiger Bindung basierende Liebe ist. Mania beschreibt die besitzergreifende, obsessive Liebe, die oft in Eifersucht und Kontrolle mündet.
Liebe ist nicht eindimensional – sie ist eine dynamische Kraft, die verschiedene Ausdrucksformen annimmt. Eine erfüllende Beziehung basiert oft auf einer Mischung aus Eros, Philia und Agape. Während körperliche Anziehung wichtig sein kann, sind emotionale Nähe, gegenseitige Unterstützung und selbstlose Fürsorge essenziell für langfristiges Glück. Ebenso spielt die Selbstliebe eine große Rolle, da nur ein Mensch, der sich selbst wertschätzt, auch in der Lage ist, andere bedingungslos zu lieben.
Am Valentinstag geht es nicht nur um romantische Gesten, sondern um die Wertschätzung aller Formen der Liebe. Egal, ob leidenschaftlich, freundschaftlich, familiär oder selbstlos – die griechische Mythologie zeigt uns, dass Liebe viele Gesichter hat und jedes davon eine besondere Bedeutung in unserem Leben trägt. (mv)





