Die stille Wacht: Das Kalkschiefergebirge Parnitha – Ein Naturjuwel vor den Toren Athens

Das Kalkschiefergebirge Parnitha, auch bekannt als Oros Parnithas, erhebt sich majestätisch im Norden der griechischen Halbinsel Attika, etwa 30 Kilometer westlich von Athen. Es ist mehr als nur eine geologische Formation – es ist ein Refugium der Natur und Kulturgeschichte, das von unzähligen Generationen geformt wurde und heute ein wichtiges Schutzgebiet darstellt.
Von HB-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Reisen/Attika – Seit 2000 gehört die Parnitha als Natura-2000-Gebiet zu den geschützten Landschaften Griechenlands und ist damit nicht nur für die Biodiversität, sondern auch für das kulturelle Erbe der Region von unschätzbarem Wert.

Der Name Parnitha, oft auch Parnes oder Parnis genannt, hat seine Wurzeln in der Antike. Die Bedeutung des Namens reicht bis in die Zeit der Vorgriechen zurück, lange bevor die griechische Zivilisation diese Region beherrschte. Es wird vermutet, dass der Name Parnitha denselben Ursprung wie der berühmte Parnass hat, wobei beide Berge eine tief verwurzelte Verbindung in der mythologischen und historischen Landschaft Griechenlands haben. Im Volksmund wird das Gebirge auch Ozia genannt, was seine starke Verankerung im lokalen Bewusstsein zeigt.

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Mit einer Fläche von etwa 300 Quadratkilometern erstreckt sich die Parnitha über eine Länge von rund 40 Kilometern und erreicht in Nord-Süd-Richtung eine Breite von maximal 20 Kilometern. Ihre höchsten Gipfel, von denen es 16 mit über 1000 Metern Höhe gibt, bieten atemberaubende Ausblicke über das antike und moderne Griechenland. Der höchste Punkt, der Gipfel Karabola (auch Karavola genannt), ragt mit stolzen 1413 Metern in den Himmel und markiert den höchsten Punkt der Attika.

Weitere Gipfel, wie der Ornio (1350 m), der Kaki Rachi (1260 m) und der Avgo (1201 m), prägen die Landschaft und bieten vielfältige Möglichkeiten für Wanderer und Naturfreunde, die die Schönheit der griechischen Bergwelt erleben möchten. Mit seinen dichten Wäldern und schroffen Felsen ist die Parnitha eine Oase der Ruhe und Abgeschiedenheit, die einen Kontrast zur pulsierenden Metropole Athen bildet.

Die Parnitha ist nicht nur für ihre geologischen Formationen bekannt, sondern auch für ihre Fließgewässer. Der bedeutendste Gebirgsbach, der Gouras, entspringt in einer Höhe von 900 Metern und durchzieht das Gebirge auf einer Länge von 10 Kilometern. Er mündet schließlich in den Golf von Elefsina und trägt damit zur Wasserversorgung und zum ökologischen Gleichgewicht der Region bei. Auf seinem Weg durchfließt er auch die Keladona-Schlucht, ein beliebtes Ziel für Abenteuerlustige und Naturliebhaber.

Leider war das Gebirge in jüngster Vergangenheit nicht vor Zerstörung gefeit. Im Sommer 2007 wüteten verheerende Waldbrände und vernichteten große Teile der einst üppigen Wälder. Die Spuren dieses Ereignisses sind heute noch sichtbar, doch die Natur zeigt auch hier ihre Widerstandskraft und erholt sich langsam.

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Die Parnitha ist nicht nur ein Naturparadies, sondern auch ein Ort mit reicher Geschichte. In der Antike spielte das Gebirge eine strategische Rolle. Mehrere Festungen, darunter Phyle, Dekeleia und Panakton, wurden hier errichtet, um wichtige Handels- und Verkehrswege zu sichern. Dekeleia war beispielsweise während des Peloponnesischen Krieges ein bedeutender Stützpunkt Spartas und trug wesentlich zum Verlauf dieses Konflikts bei.

Darüber hinaus war die Parnitha ein Ort der religiösen Verehrung. Laut dem antiken Reiseschriftsteller Pausanias bemerkt sich hier ein Heiligtum des Zeus. Diese Verbindung zu den Göttern der Antike unterstreicht die spirituelle und kulturelle Bedeutung des Gebirges. Heute steht die Parnitha als Symbol für den Erhalt der natürlichen und kulturellen Schätze Griechenlands. Die Ausweisung als Natura-2000-Schutzgebiet spiegelt die Bedeutung weiter, die dem Erhalt der vielfältigen Flora und Fauna sowie der historischen Stätten beigemessen wird. Wanderer, Naturschützer und Historiker finden in diesem Gebirge gleichermaßen einen Ort, an dem Natur und Geschichte auf eindrucksvolle Weise miteinander verschmelzen.

Obwohl die Narben des Feuers von 2007 noch sichtbar sind, steht die Parnitha als Zeuge für die Kraft der Natur und die Bedeutung des Schutzes unserer Umwelt. Sie bleibt ein unverzichtbares Rückzugsgebiet für die Menschen Attikas und ein lebendiges Monument der griechischen Geschichte. (cs)

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