Zeitreise auf Sardinien: Das Museo Archeologico Nazionale di Cagliari als Tor zur Vergangenheit

Inmitten der Altstadt von Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens, thront das Museo Archeologico Nazionale di Cagliari – ein wahres Schatzhaus der sardischen Geschichte. Dieses archäologische Nationalmuseum gehört zu den bedeutendsten seiner Art in Italien und ermöglicht Besucherinnen und Besuchern eine faszinierende Reise durch mehrere Jahrtausende menschlicher Zivilisation.
Von HB-Redakteur Dietmar Thelen

Weltweit/Sardinien – Das Museum befindet sich in der monumentalen Zitadelle der Museen (Cittadella dei Musei), einem weitläufigen Komplex auf dem Castello-Hügel, der einst militärischen Zwecken diente und heute dem kulturellen Erbe der Insel gewidmet ist.

Die Entstehung des Museums reicht zurück bis ins Jahr 1800, als unter der Herrschaft der Savoyer erste Sammlungen archäologischer Fundstücke aus Sardinien zusammengetragen wurden. Damals noch in bescheidenem Rahmen, gewann das Museum durch zahlreiche Ausgrabungen im 19. und 20. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung. 1958 zog es an seinen heutigen Standort, wo es seitdem stetig erweitert wurde. Die heutige Ausstellung präsentiert auf mehreren Etagen eine beeindruckende Auswahl an Artefakten, die die lange und facettenreiche Geschichte Sardiniens lebendig machen.

Ein zentrales Highlight der Sammlung sind die berühmten Bronzetti nuragici – kleine Bronzestatuetten aus der Nuraghenkultur, die zwischen 1800 und 238 v. Chr. auf Sardinien florierte. Diese einzigartigen Figuren zeigen Krieger, Häuptlinge, Tiere und sogar Boote, oft mit verblüffender Detailtreue gearbeitet, und geben Einblick in die religiösen Vorstellungen, sozialen Strukturen und den Alltag dieser prähistorischen Gesellschaft. Die Nuraghenkultur ist einzigartig im Mittelmeerraum, und das Museo Archeologico Nazionale gilt als das weltweit wichtigste Museum zu diesem Thema.

Neben den Bronzetti beherbergt das Museum zahlreiche Funde aus punischer, phönizischer, römischer und byzantinischer Zeit. Besonders eindrucksvoll sind die Grabbeigaben aus der punischen Nekropole von Tuvixeddu – darunter Schmuck, Keramik und Alltagsgegenstände, die von der kulturellen Verflechtung Sardiniens mit den großen Zivilisationen des Mittelmeerraums zeugen. Römische Mosaike, Statuen und Inschriften illustrieren die Zeit der Insel als Teil des Imperium Romanum, während christliche Reliquien aus spätantiker Zeit einen Bogen zur spirituellen Geschichte schlagen.

Auch die Topografie der Insel wird durch Karten, Modelle und interaktive Displays anschaulich vermittelt. So lässt sich nachvollziehen, wie geografische Lage und natürliche Ressourcen die Entwicklung Sardiniens prägten – von der frühen Besiedlung durch Seevölker bis hin zu den Handelsbeziehungen mit Karthago und Rom. Besonders spannend ist die rekonstruierte Darstellung eines Nuraghen-Turms, jener mysteriösen Steintürme, die das Landschaftsbild Sardiniens bis heute prägen und deren Funktion – Festung, Heiligtum oder Wohnstätte – noch immer erforscht wird.

Ein Besuch im Museo Archeologico Nazionale di Cagliari ist mehr als ein Blick in eine Vitrine – es ist ein Spaziergang durch 7000 Jahre Geschichte, vermittelt mit wissenschaftlicher Tiefe und gestalterischer Raffinesse. Für Kulturinteressierte, Hobbyarchäologen oder einfach Reisende, die Sardinien jenseits von Stränden und Sonne kennenlernen möchten, bietet das Museum einen unvergesslichen Einblick in die komplexe Identität einer Insel, die seit jeher im Schnittpunkt der Kulturen lag. Wer das Museum verlässt, blickt mit neuen Augen auf die schroffen Hügel, die alten Städte und die rätselhaften Ruinen Sardiniens – stets begleitet vom Flüstern einer Vergangenheit, die hier eindrucksvoll zum Leben erweckt wird. (dt)

Foto: Hellas-Bote