Viel Gegenwind für Windpark auf dem Mavrovouni – Streit um Natur, Recht und Energiepolitik

Der geplante Windpark „Mavrovouni“ im Norden des Pilion entwickelt sich zunehmend zu einem der umstrittensten Energieprojekte Griechenlands. Während die Regierung den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreibt, wächst vor Ort der Widerstand – und auch juristisch ist das Vorhaben weiter in der Schwebe.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris

Aktuell – Erneut ist eine entscheidende Anhörung vor dem Staatsrat verschoben worden. Wie die Bürgerinitiative „Pelion frei von Windkraftanlagen“ mitteilt, konnte die Beschwerde gegen die Umweltgenehmigung nicht verhandelt werden, da das Umweltministerium die erforderlichen Unterlagen abermals nicht rechtzeitig übermittelt habe. Ein neuer Termin wurde auf den 10. Juni angesetzt. Für die Gegner des Projekts ist dies mehr als eine bloße Verzögerung – sie sprechen von einem „systematischen Verschleppen“ eines hochsensiblen Falls.

Das Vorhaben selbst ist ambitioniert: 16 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 80 Megawatt sollen auf dem Berg Mavrovouni entstehen, zwischen den Ortschaften Veneto, Kerasia und Kanalia. Geplant ist der Einsatz moderner Turbinen des Herstellers Siemens Gamesa. Neben den Anlagen umfasst das Projekt auch umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen – darunter neue Zufahrtsstraßen und der Ausbau bestehender Wege für Schwertransporte.

Doch genau hier beginnt die Kritik. Das Gebiet liegt innerhalb beziehungsweise unmittelbar angrenzend an Natura-2000-Schutzzonen – ausgewiesene Vogelschutzgebiete von europäischer Bedeutung. Umweltverbände und lokale Initiativen warnen, dass die Eingriffe in die Landschaft gravierende Folgen für Biodiversität, Wasserhaushalt und Bodensicherheit haben könnten. „Wir sprechen hier von einem einzigartigen Ökosystem mit seltenen Vogelarten und jahrhundertealten Wäldern“, sagt ein betroffener Anwohner. Für den Bau müssten zahlreiche Bäume gefällt werden – mit möglichen Konsequenzen wie erhöhter Erosions- und Überschwemmungsgefahr.

Der Widerstand beschränkt sich längst nicht mehr auf einzelne Aktivisten. Die Gemeinde Rigas Feraios hat sich offiziell gegen das Projekt ausgesprochen. Auch mehrere Gemeinderäte der umliegenden Orte sowie Umweltorganisationen und die Griechische Ornithologische Gesellschaft lehnen den Windpark ab. Die Kritiker sehen nicht nur ökologische Risiken, sondern auch wirtschaftliche: Der sanfte Tourismus, der auf der landschaftlichen Schönheit und Artenvielfalt der Region basiert, könnte erheblich leiden. Ebenso befürchten Landwirte und Viehzüchter langfristige Schäden an ihren Lebensgrundlagen.

Unterstützung kommt auch aus der Politik. Parlamentarische Anfragen thematisieren mögliche Defizite bei der Umweltverträglichkeitsprüfung und fordern mehr Transparenz im Genehmigungsverfahren.

Im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung steht die Frage, ob die Umweltgenehmigung den Anforderungen für Projekte in Schutzgebieten gerecht wird. Gegner argumentieren, dass die Auswirkungen auf geschützte Vogelarten nicht ausreichend geprüft worden seien. Zudem gibt es Streit um Eigentums- und Nutzungsrechte, da Teile des betroffenen Gebiets sowohl der Gemeinde als auch dem Kloster Flamouri zugeschrieben werden. Trotz dieser offenen Fragen wurde die Umweltgenehmigung im Sommer 2024 bestätigt – ein Schritt, der neue Proteste auslöste. Das Projekt befindet sich derzeit in der Vorbereitungsphase, doch ohne eine endgültige Entscheidung des Staatsrats bleibt seine Zukunft ungewiss.

Der Konflikt um den Windpark Mavrovouni steht exemplarisch für ein größeres Dilemma: den Balanceakt zwischen dem dringend notwendigen Ausbau erneuerbarer Energien und dem Schutz sensibler Naturräume. Selbst viele Gegner des Projekts betonen, dass sie die Energiewende grundsätzlich unterstützen. „Aber nicht um jeden Preis“, heißt es aus Kreisen der Umweltschützer. Gefordert wird eine geordnete Raumplanung, die ökologische Besonderheiten berücksichtigt und die lokale Bevölkerung stärker einbindet. Bis zur Entscheidung des Staatsrats dürfte der Widerstand weiter wachsen. Am Mavrovouni weht der Wind derzeit nicht nur kräftig – sondern vor allem politisch. (pv)

Foto: Hellas-Bote