Unterwasserwälder des Mittelmeers – Griechenlands verborgenes grünes Gold

Am 1. März richtet sich der Blick der Welt auf ein ökologisches Juwel, das meist unbeachtet unter der Oberfläche schlummert: Seegras. Die Vereinten Nationen begehen heute den offiziellen Welttag des Seegrases – ein Tag, der diesem unterschätzten Lebensraum die Aufmerksamkeit schenkt, die er verdient. Griechenland, mit seinen weitläufigen Küsten und türkisfarbenen Buchten, spielt dabei eine Schlüsselrolle im Mittelmeerraum.
Von HB-Redakteurin Soula Dimitriou

Aktuell – Seegraswiesen – oft verwechselt mit Algen – sind in Wirklichkeit blühende Pflanzen, die in flachen, klaren Meeren wachsen. Sie gehören zu den produktivsten Ökosystemen der Welt. Sie bieten nicht nur Lebensraum für Fische, Seepferdchen und Meeresschildkröten, sondern speichern auch gewaltige Mengen Kohlenstoff – bis zu 35-mal schneller als tropische Regenwälder. Für Griechenland, mit seinen über 13.000 Küstenkilometern, sind Seegraswiesen nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch von Bedeutung: Sie sichern Fischbestände, schützen die Küste vor Erosion und fördern nachhaltigen Tourismus.

Im Mittelmeer dominiert eine besondere Art von Seegras: Posidonia oceanica, benannt nach dem griechischen Meeresgott Poseidon. Diese endemische Art bildet ausgedehnte Unterwasserwälder, die sich wie grüne Teppiche über den Meeresboden ziehen. Vor allem in Regionen wie Chalkidiki, den Kykladen und der südlichen Ägäis findet man noch intakte Bestände – doch sie schrumpfen.

„Die Seegraswiesen sind die Regenwälder des Meeres“, sagt Umweltschützerin Eleni. „Und dennoch behandeln wir sie, als wären sie wertlos.“ Die größten Gefahren für die Poseidonia-Wiesen seien Ankerwürfe von Yachten, illegale Sandaufschüttungen und die Erwärmung des Wassers durch den Klimawandel. Zahlreiche Initiativen in Griechenland setzen sich für den Schutz der Seegraswiesen ein. Im Rahmen des Welttags des Seegrases organisieren Umweltgruppen in Griechenland Strandreinigungen, Workshops und Tauchgänge, um auf den Zustand der Seegraswiesen aufmerksam zu machen.

Die Bedeutung des Seegrases wird oft unterschätzt – nicht nur ökologisch, sondern auch kulturell. Schon in der Antike war Posidonia bekannt. Aristoteles schrieb über „pflanzenähnliches Seegras“ und seine Rolle im marinen Gleichgewicht. Heute steht diese uralte Pflanze stellvertretend für die Fragilität mariner Lebensräume im Anthropozän.

Griechenland hat das Potenzial, eine Vorreiterrolle beim Schutz von Seegraswiesen im Mittelmeer zu übernehmen – durch nachhaltige Fischerei, kluges Küstenmanagement und einen respektvollen Tourismus. Der Welttag des Seegrases erinnert uns: Was unter der Oberfläche liegt, ist oft lebenswichtiger als das, was sichtbar ist. (sd)

Foto: Hellas-Bote