Tödliche Sturzfluten und Orkanböen erschüttern Griechenland

Nach schweren Unwettern hat Griechenland in den vergangenen Tagen mit dramatischen Folgen zu kämpfen gehabt. Heftige Regenfälle, begleitet von orkanartigen Winden, führten in mehreren Regionen des Landes zu Überschwemmungen, erheblichen Sachschäden und mindestens zwei Todesopfern. Besonders betroffen waren Teile der Hauptstadt Athen, die Halbinsel Peloponnes sowie Inseln der südlichen Ägäis.
Von HB-Redakteur Vangelis Makris

Aktuell – Binnen weniger Stunden fiel in manchen Gebieten eine Regenmenge, die nach Angaben griechischer Medien sonst über einen gesamten Monat verteilt registriert wird. Die Wassermassen konnten von der ausgetrockneten Erde kaum aufgenommen werden, Flüsse schwollen rasch an und traten über ihre Ufer. In zahlreichen Städten und Gemeinden verwandelten sich Straßen in reißende Sturzbäche. Fahrzeuge wurden von den Fluten erfasst, Müllcontainer kippten um, Geröll und Äste wurden mitgerissen und blockierten Verkehrswege.

In Athen erreichte das Unwetter die dicht bebauten Stadtteile mit voller Wucht. Aufnahmen aus der Hauptstadt zeigten, wie braunes Wasser durch Unterführungen schoss und Autos quer über Kreuzungen trieb. Einsatzkräfte waren im Dauereinsatz, um eingeschlossene Menschen zu erreichen und gefährdete Bereiche abzusichern. Der griechische Zivilschutz verschickte Warnmeldungen per SMS an die Bevölkerung und rief dazu auf, Wohnungen möglichst nicht zu verlassen. In weiten Teilen des Landes blieben Schulen vorsorglich geschlossen.

Besonders tragisch verlief das Unwetter für zwei Menschen. Auf der Halbinsel Peloponnes kam ein Beamter der Küstenwache ums Leben, als er während einer Kontrolle in einem kleinen Hafen ausrutschte und ins Meer stürzte. Die hohen Wellen erfassten den Mann, er konnte sich nicht mehr retten und ertrank, wie die Nachrichtenagentur ANA-MPA berichtete. In Athen wurde eine Frau von den plötzlich ansteigenden Wassermassen mitgerissen und tödlich verletzt, wie griechische Rundfunksender meldeten.

Zeitgleich fegte ein heftiger Sturm über das Land hinweg. In der südlichen Ägäis wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde gemessen, erklärte eine Meteorologin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ERTNews. Der starke Wind machte den Schiffsverkehr unmöglich: Fähren blieben in den Häfen, zahlreiche Verbindungen zwischen dem Festland und den Inseln wurden gestrichen. Laut dpa kam der Fährverkehr zeitweise vollständig zum Erliegen, was auch Touristen betraf.

Das Sturmtief mit dem Namen „Harry“ brachte nicht nur Regen und Wind, sondern sorgte lokal auch für Stromausfälle. In mehreren Regionen fiel die Elektrizität kurzfristig aus, Reparaturteams arbeiteten unter schwierigen Bedingungen. Landwirtschaftliche Gebiete traf es besonders hart: Nach Berichten des Portals kathimerini wurden zahlreiche Felder überflutet, Ernten zerstört und Viehbestände gefährdet. Viele Bauern standen nach dem Abzug der Wassermassen vor schlammverkrusteten Flächen und beschädigter Infrastruktur.

Auch Tage nach dem ersten Durchzug des Unwetters blieb die Lage angespannt. Das griechische Wetteramt kündigte an, dass das Sturmtief weiterhin Auswirkungen haben werde. Betroffen sein sollten unter anderem die bei Urlaubern beliebten Inseln Rhodos, Lesbos und Samos. Dort bereiteten sich Behörden und Einsatzkräfte auf weitere Regenfälle und starke Böen vor, während Bewohner Schutzmaßnahmen trafen und Boote zusätzlich sicherten.

Die Kombination aus extremen Niederschlägen und Sturm legte in kurzer Zeit die Verwundbarkeit vieler Regionen offen. Überlastete Abwassersysteme, enge Straßen und dicht bebaute Stadtviertel verschärften die Situation. Während das Wasser langsam abfloss, begannen in vielen Orten Aufräumarbeiten, begleitet vom Geräusch der Pumpen und dem Geruch von Schlamm und nassem Asphalt. (mav)

Foto: Hellas-Bote