Mitten in den majestätischen Bergen Nordgriechenlands, abseits der bekannten Touristenpfade, liegt das Dorf Lechovo – eine kleine, doch geschichtsträchtige Gemeinschaft, die ihre kulturellen Wurzeln tief in die Erde Westmakedoniens geschlagen hat.
Von HB-Redakteur Panos Ventouris
Reisen – Einst, zwischen 1955 und 1956, unter dem heroischen Namen „Iroiko“ bekannt, strahlt dieses Dorf heute einen eigenwilligen Charme aus, der auf eine bewegte Vergangenheit und ein reiches kulturelles Erbe zurückgeht. Lechovo gehört seit der Kommunalreform von 2011 zur Gemeinde Amyntaio und erstreckt sich über eine Fläche von knapp 23 Quadratkilometern. Mit einer bescheidenen Bevölkerung hat es seine intime, dörfliche Atmosphäre bewahrt, obwohl seine Geschichte von großen Umbrüchen und kulturellen Auseinandersetzungen geprägt ist.
Besucher, die durch die engen Gassen von Lechovo schlendern, werden sofort von der traditionellen Steinarchitektur in den Bann gezogen, der typisch für viele nördliche Dörfer Griechenlands ist. Der alte obere Dorfplatz, mit dem prächtigen Kirchturm als Wahrzeichen, erzählt von Jahrhunderten der Beständigkeit und Tradition. Das historische Erbe des Dorfes spiegelte sich in seinen Gebäuden wider, die von Baumeistern des 18. Jahrhunderts errichtet wurden, als das Dorf erstmals besiedelt wurde. Das Dorfmuseum, der Fußballplatz und das Handballstadion sind Symbole der modernen Infrastruktur, die geschickt in die altehrwürdige Umgebung integriert wurden. Doch die wahre Seele von Lechovo findet sich in seinen Traditionen und Tänzen, die die Zeit überdauert haben.
Im Jahr 1900 zählte der bulgarische Ethnograph Vasil Kanchov 750 christliche Albaner und 90 Aromunen in Lechovo – eine Mischung, die das Dorf in den folgenden Jahrzehnten prägen sollte. Lechovos Einwohner, hellenisierter Albaner, spielte eine entscheidende Rolle im Makedonischen Kampf gegen das Osmanische Reich. Die pro-griechische Haltung des Dorfes führte dazu, dass es nach dem Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei 1923 nicht als Siedlungsort für anatolische Flüchtlinge ausgewählt wurde – Zeichen der starken Verbundenheit der Bewohner mit der griechischen Identität.
Während der Feldforschung von Anthropologen in den 1990er Jahren stellte sich heraus, dass Lechovo noch immer von Arvaniten, dem Nachfahren albanischer Siedler, bewohnt wird. Ihre Sprache, das Arvanitika, wird noch von älteren Dorfbewohnern gesprochen, während jüngere Generationen sich zunehmend dem Griechischen zuwenden. Trotz des allmählichen Verschwindens dieser Sprache bleibt sie ein lebendiges Zeugnis der multiethnischen Vergangenheit Lechovos.
Obwohl Lechovo inmitten einer Region liegt, die für ihre slawischen Musikeinflüsse bekannt ist, hat sich das Dorf dieser Tradition weitgehend entzogen. Stattdessen pflegt die Gemeinschaft ihre eigenen Tänze, darunter der energische Berati, der dynamische Hasapia und der traditionellen Tsamiko – Tänze, die von den Dorfbewohnern bei Festen und Feierlichkeiten mit Stolz aufgeführt werden. Diese Tänze, begleitet von der Musik des Dorfes, sind nicht nur Ausdruck der kulturellen Identität, sondern auch ein Spiegel der Resilienz der Dorfgemeinschaft gegenüber äußeren Einflüssen.
Lechovo mag heute ein kleines Dorf mit nur wenigen hundert Einwohnern sein, doch seine Bedeutung reicht weit über seine geografischen Grenzen hinaus. Es ist ein lebendiger Zeuge der griechischen Geschichte, der osmanischen Zeit und der politischen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. (pv)





