Griechenlands literarische Leuchtfeuer: Ein Blick auf den Internationalen Kinderbuchtag

Jedes Jahr am 2. April, dem Geburtstag des berühmten Dichters Hans Christian Andersen, feiert die Welt den Internationalen Kinderbuchtag. Dieser besondere Tag wurde 1967 vom International Board on Books for Young People (IBBY) ins Leben gerufen, um die Freude am Lesen zu fördern und das Interesse an Kinder- und Jugendliteratur zu wecken. ​
Von HB-Redakteurin Maria Georgiou

Aktuell – Ein zentrales Element dieses Aktionstages ist die jährliche Schirmherrschaft einer nationalen IBBY-Sektion, die ein spezifisches Thema auswählt, eine Botschaft eines renommierten Autors verfasst und ein passendes Plakat gestaltet. Griechenland hatte dabei mehrfach die Ehre, diesen Tag mitzugestalten.​

Beispielsweise im Jahr 2004 stand der Internationale Kinderbuchtag unter dem Motto „Das Licht der Bücher“. Die griechische Autorin Angeliki Varella verfasste die Botschaft, während Nicholas Andrikopoulos das dazugehörige Plakat gestaltete. ​2023 übernahm erneut Griechenland die Ausrichtung. Unter dem Motto „Ich bin ein Buch, lies mich“ verfasste der Autor Vagelis Iliopoulos die Botschaft, und die Illustratorin Photini Stephanidi entwarf das dazugehörige Plakat. ​(mg)


Eleni und die goldene Schildkröte
Von Maria Georgiou

Eine Geschichte von Freundschaft, Mut und einem kleinen Wunder auf Kreta.

Auf der sonnigen Insel Kreta, wo das Meer so blau ist wie der Himmel und die Zikaden Lieder singen, lebte ein neugieriges Mädchen namens Eleni. Sie war acht Jahre alt, hatte lockige braune Haare und Augen, die wie Oliven glänzten. Am liebsten streifte sie barfuß durch das kleine Dorf ihres Großvaters, das hoch oben in den Bergen lag und nach wilden Kräutern duftete.

Eleni liebte Geschichten. Jeden Abend erzählte ihr ihr Pappous – das ist das griechische Wort für Opa – von alten Zeiten, von Göttern und Helden, von Labyrinthen und mutigen Tieren. Doch eine Geschichte faszinierte sie besonders: die Legende von der goldenen Schildkröte, die tief in einer versteckten Höhle lebte und Wünsche erfüllen konnte.

„Aber nur, wenn du ehrlich bist und dein Herz rein ist“, sagte ihr Großvater geheimnisvoll und zwinkerte.

Eines Morgens, als die Sonne wie Honig über den Olivenhainen glänzte, beschloss Eleni: Ich werde die goldene Schildkröte finden!

Sie packte ein kleines Bündel mit Brot, Oliven und etwas Feta-Käse ein und machte sich auf den Weg. Ihr Weg führte sie durch Ziegenpfade, an tanzenden Schmetterlingen vorbei, durch duftende Thymianfelder bis zu einer alten Höhle, von der die alten Leute im Dorf tuschelten.

Drinnen war es kühl und dunkel. Eleni zündete ihre kleine Lampe an und ging vorsichtig hinein. Tropfen fielen von der Decke, Fledermäuse flogen leise vorbei – aber Eleni hatte keine Angst. Ganz hinten, in einer glitzernden Felsnische, saß sie: eine Schildkröte, so groß wie ein Kürbis, mit einem Panzer, der im Licht wie Gold funkelte.

„Kalimera, kleine Eleni“, sprach die Schildkröte mit einer Stimme, die klang wie ein alter Wind durch Olivenbäume. Eleni staunte. Die Schildkröte kannte ihren Namen! „Ich bin gekommen, um einen Wunsch zu äußern“, sagte Eleni zaghaft. „Und was wünschst du dir?“ fragte die Schildkröte.

Eleni dachte nach. Sie hätte sich viele Dinge wünschen können: ein neues Kleid, ein eigenes Boot oder ein sprechendes Kätzchen. Doch dann lächelte sie. „Ich wünsche mir, dass mein Pappous wieder besser laufen kann. Seine Beine tun ihm weh, und er kann nicht mehr zum Strand mit mir kommen.“ Die Schildkröte blinzelte. Dann bewegte sie langsam eine ihrer goldenen Vorderpfoten, berührte Elenis Hand und sprach: „Ein reines Herz erkennt man an einem selbstlosen Wunsch. Dein Wunsch sei dir erfüllt.“ Am nächsten Morgen, als Eleni heimkam, saß ihr Großvater schon draußen in der Sonne – und als er sie sah, stand er auf, ging ihr entgegen und hob sie hoch wie früher. „Ich weiß nicht, was heute passiert ist, kleine Eleni“, sagte er lachend. „Aber ich fühle mich plötzlich wie ein junger Mann!“

Eleni lächelte geheimnisvoll. Sie wusste, dass es ein Geheimnis zwischen ihr und der goldenen Schildkröte war. Und vielleicht, wenn du eines Tages nach Kreta reist und ganz genau hinhörst, erzählt dir der Wind in den Olivenbäumen auch die Geschichte von Eleni und der goldenen Schildkröte.

Foto: Hellas-Bote

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