Frankfurts Zeitreise: Das Historische Museum am Römerberg entdecken

Am südlichen Rand des Römerbergs, zwischen der Alten Nikolaikirche und dem Mainkai, liegt ein Ort, der das Gedächtnis Frankfurts bewahrt und zugleich neue Perspektiven eröffnet: das Historische Museum Frankfurt.
Von HB-Redakteur Walter Henning

Magazin/Weltweit – Seit seiner Gründung 1878 sammelt, erforscht und vermittelt das Haus die Geschichte der Stadt, vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Es ist mehr als eine Ausstellung: Ein lebendiger Dialog zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der Besucherinnen und Besucher aller Altersgruppen anspricht.

Foto: Hellas-Bote

Das Museum ist kein einzelnes Gebäude, sondern ein Ensemble aus historischen und modernen Bauwerken, die zusammen ein kleines Stadtviertel bilden. Der Saalhof, mit fünf Gebäuden aus unterschiedlichen Epochen, erzählt die Baugeschichte Frankfurts über fast 800 Jahre und vermittelt ein unmittelbares Gefühl für das städtische Leben vergangener Zeiten. Ergänzt wird dieser historische Kern durch einen Neubau von 2017, dessen Architektur Elemente der Altstadt aufgreift und gleichzeitig moderne Museumsansprüche erfüllt: lichtdurchflutete Räume, großzügige Flächen für Dauerausstellungen und Wechselausstellungen, die das historische Gedächtnis der Stadt lebendig halten.

Die Geschichte des Museums selbst ist eng mit der Frankfurter Stadtgeschichte verwoben. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren große Teile der Altstadt zerstört, viele Archivbestände und Exponate verloren. Dennoch gelang es, das Haus wiederaufzubauen und zu einem Ort der Bildung und Reflexion zu machen. Der Saalhof wurde restauriert, der Burnitzbau und Bernusbau dienten als Depots und Werkstätten, und 1957 konnte das Museum seine Pforten erneut öffnen. In den 1970er Jahren brachte ein Erweiterungsbau in brutalistischer Sichtbetonarchitektur neue Formen der Präsentation, die politisch und ästhetisch kontrovers diskutiert wurden: Originalobjekte traten hinter gesellschaftliche Fragestellungen zurück, Stadtgeschichte wurde als Lernort verstanden.

Foto: Hellas-Bote

Heute präsentiert sich das Historische Museum Frankfurt als Ort der Begegnung und Partizipation. Das Stadtlabor lädt Bürgerinnen und Bürger ein, gemeinsam Ausstellungen zu entwickeln und aktuelle Fragestellungen der Stadtgesellschaft zu thematisieren. Die Bibliothek der Generationen dokumentiert Erfahrungen, Erinnerungen und kreative Beiträge aus allen Altersgruppen, um ein kollektives Gedächtnis für die kommenden Jahrzehnte zu schaffen. Das Haus ist damit nicht nur Archiv, sondern auch Werkstatt, Bühne und Forum für die Frankfurter Stadtgesellschaft.

Zur Museumsfamilie gehören auch das Junge Museum Frankfurt, das Kinder und Jugendliche mit interaktiven Formaten anspricht, und das Porzellan Museum Frankfurt im Höchster Kronberger Haus, das die handwerkliche Tradition der berühmten Manufaktur präsentiert. Überall spürt man die Verbindung von Geschichte und Gegenwart: Möbel, Kunstwerke, Karikaturen und Alltagsgegenstände erzählen von Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur der Stadt über Jahrhunderte hinweg.

Foto: Hellas-Bote

Wer das Historische Museum Frankfurt besucht, betritt mehr als nur Ausstellungsräume. Er taucht ein in die Geschichten einer Stadt, die sich immer wieder neu erfindet, die ihre Vergangenheit bewahrt und die zugleich offen ist für Diskussionen über ihre Zukunft. Architektur, Exponate und partizipative Projekte machen das Museum zu einem lebendigen Ort, an dem Stadtgeschichte nicht nur betrachtet, sondern erlebt werden kann. (wh)

Foto: Hellas-Bote