Die Panteion-Universität Athen im Schatten der Akropolis

Im Herzen Athens, nicht weit entfernt vom flimmernden Glanz der Akropolis, erhebt sich eine Institution, die seit beinahe einem Jahrhundert das intellektuelle Rückgrat der griechischen Gesellschaft bildet: die Panteion-Universität Athen. Dort, wo sich die Steine der Antike mit den Stimmen des modernen Diskurses verweben, steht dieses ehrwürdige Haus der Wissenschaft als lebendiges Zeugnis griechischer Bildungs- und Geistesgeschichte.
Von HB-Redakteurin Sabrina Köhler

Aktuell – Gegründet im Jahr 1927, zählt sie zu den ältesten sozial- und politikwissenschaftlichen Hochschulen des Landes und trägt den Namen Alexandros I. Pantos – einem Vordenker, Juristen und Politikwissenschaftler, dessen Vision eine neue Ära des Denkens in Griechenland einläutete.

In einer Nation, die einst das Fundament westlicher Philosophie, Demokratie und Rhetorik legte, ist es mehr als symbolträchtig, dass ausgerechnet eine Universität für Sozialwissenschaften tief in den intellektuellen Strom Europas eingebunden ist. Die Panteion-Universität, ursprünglich als „Freie Schule für Politikwissenschaft“ (Ανώτατη Σχολή Πολιτικών Επιστημών) gegründet, war die Antwort eines neuzeitlichen Griechenlands auf die Frage nach sozialer Gerechtigkeit, Verwaltung, Politik und öffentlicher Verantwortung in einer sich wandelnden Welt. Bereits in den turbulenten Jahren der Zwischenkriegszeit war sie ein Ort, an dem sich die sozialen und politischen Visionen der neuen griechischen Republik entfalteten.

Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich die Universität zu einem Netzwerk aus neun eigenständigen, aber miteinander verwobenen akademischen Abteilungen: Politikwissenschaften und Geschichte, Internationale und Europäische Studien, Öffentliche Verwaltung, Soziologie, Wirtschaftliche und Regionale Entwicklung, Sozialpolitik und Sozialanthropologie, Kommunikation und Massenmedien, Psychologie sowie Rechtswissenschaften. Diese Struktur zeugt nicht nur von einer breiten wissenschaftlichen Ausrichtung, sondern auch vom tiefen Verständnis griechischer Intellektualität für die Komplexität menschlicher Gesellschaften.

In den Mauern der Panteion-Universität hallen die Stimmen herausragender Persönlichkeiten wider, die das Denken in Griechenland und Europa nachhaltig prägten. Der Philosoph Kosmas Psychopedis, der die politischen Strukturen Europas aus der Perspektive des kritischen Denkens analysierte. Thanos Lipowatz, der sich als politischer Theoretiker mit der griechischen Identität im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne auseinandersetzte. Der Jurist Christos Rozakis, Vizepräsident des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der für die Verbindung griechischer Rechtskultur mit europäischem Menschenrechtsverständnis stand. Und nicht zuletzt Konstantinos Simitis – Premierminister Griechenlands in einer der entscheidendsten Epochen des Landes – der mit seinem politikwissenschaftlichen Hintergrund wesentlich zur europäischen Integration Griechenlands beitrug.

Die Universität wurde über die Jahre zu einem Knotenpunkt griechischer und europäischer Ideenströme. Hier kreuzen sich die Wege von Philosophie und Politik, von Ethik und Ökonomie, von Geschichte und Gesellschaft. Die Panteion-Universität ist keine anonyme akademische Maschinerie, sondern ein lebendiger Organismus, in dem die antiken Traditionen Athens mit den Herausforderungen der Gegenwart kollidieren – und dabei fruchtbare neue Denkräume schaffen.

Griechenland, die Wiege der Demokratie, hat durch die Panteion-Universität eine moderne Agora geschaffen, in der das politische Bewusstsein junger Generationen geschärft wird. Ihre Lehre zielt nicht nur auf beruflichen Erfolg, sondern auf das Verstehen der Mechanismen von Macht, Gerechtigkeit, Kommunikation und Identität. Und damit ist sie weit mehr als ein Ort akademischer Ausbildung – sie ist ein Ort kultureller Selbstvergewisserung, ein Ort, an dem das geistige Erbe Griechenlands in die Sprache des 21. Jahrhunderts übersetzt wird.

Nicht zuletzt war die Universität stets ein Spiegel der politischen Entwicklung des Landes selbst – geprägt von Krisen, Transformationen und Fortschritt. Ihre Alumni finden sich in Regierungskreisen, internationalen Organisationen, in den Medien und in der wissenschaftlichen Gemeinschaft wieder. Manche, wie Dimitris Tsatsos, trugen griechisches Denken bis ins Herz Europas, in das Europäische Parlament, wo das politische Selbstverständnis Griechenlands mit der Brüsseler Realität verschmolz. (sk)

Foto: Hellas-Bote/KI