Amorgos: Kloster Panagia Chozoviotissa – Eine Festung des Glaubens in den Felsen von Amorgos

Die Kykladen-Insel Amorgos schützt ein wahres Juwel der orthodoxen Baukunst – das Kloster Panagia Chozoviotissa. Spektakulär in den Klippen des Profitis-Ilias-Gipfels gebaut, erhebt sich dieses Kloster 300 Meter über dem Meer und zieht seit Jahrhunderten Pilger und Reisende gleichermaßen in seinen Bann.
Von HB-Redakteurin Claudia-Isabell Schmitz

Reisen/Amorgos – Das im 9. Jahrhundert gegründete Kloster ist nicht nur ein spirituelles Zentrum, sondern auch ein architektonisches Wunderwerk, das bis heute die Geschichten von Glauben, Legenden und der rauen Geschichte der Ägäis erzählt.

Der schwindelerregende Standort des Klosters ist nicht zufällig gewählt. Inmitten einer senkrecht abfallenden Felswand errichtet, bot es über Jahrhunderte hinweg Schutz vor Piraten und Invasoren. Das Gebäude selbst scheint fast mit dem Fels zu verschmelzen – eine symbolische Verbindung zwischen Himmel und Erde. Erst im 19. Jahrhundert wurde das Kloster weiß getüncht, zuvor war es nahezu unsichtbar in den Felsen versteckt, was ihm zusätzlichen Schutz gewährte. Auch heute noch beeindruckt der Bau mit seiner architektonischen Raffinesse: Acht Ebenen, die durch in den Fels gehauene Treppenhäuser verbunden sind, bilden ein Labyrinth aus Zellen, Küchen, Lagerhäusern und Zisternen.

Foto: Camille Absky/Pixabay

Der Name des Klosters ist tief in der Geschichte des frühen Christentums verwurzelt. „Chozoviotissa“ bezieht sich auf die Jungfrau Maria von Hozeva, deren Ikone eine zentrale Rolle in der Gründungslegende des Klosters spielt. Die Überlieferung erzählt, dass während des byzantinischen Bilderstreits im 9. Jahrhundert eine fromme Frau aus Hozeva in der jüdischen Wüste Teile einer wertvollen Ikone der Jungfrau Maria ins Meer warf, um sie vor der Zerstörung zu bewahren. Eine Hälfte soll an der Küste von Amorgos angespült worden sein, was die Gründung der ersten Kapelle an dieser Stelle inspirierte. Aus dieser Kapelle wuchs über die Jahrhunderte das heutige Kloster, dessen Bauzeit angeblich 80 Jahre betragen haben soll.

Die Gründung des Klosters ist ebenso von Legenden umrankt wie seine Geschichte. Eine der bekanntesten Überlieferungen besagt, dass die Bauarbeiter immer wieder feststellen mussten, dass ihre Tagesarbeit über Nacht zerstört worden war. Erst der Fund eines Meißels in einer schwindelerregenden Höhe von 300 Metern über dem Meer soll den Dorfbewohnern den göttlichen Hinweis gegeben haben, das Kloster an dieser Stelle zu errichten. Tatsächlich wurde das Kloster im 11. Jahrhundert von Kaiser Alexios I. Komnenos wiederaufgebaut und als architektonische Verteidigungsfestung konzipiert. Ein silbernes Abbild des Kaisers erinnert bis heute an diese Neuerrichtung.

Neben seiner faszinierenden Bauweise verwaltet Panagia Chozoviotissa wertvolle religiöse und historische Artefakte. Pergament-Handschriften aus dem 11. bis 13. Jahrhundert sowie sakrale Kunstwerke zeugen von der langen Geschichte des Klosters. Besonders hervorzuheben ist die berühmte Ikone der Panagia Hozoviotissa, die im Inneren des Klosters ausgestellt ist. Auch wenn das Kloster über die Jahrhunderte hinweg Teile seines Reichtums verloren hat – im 20. Jahrhundert enteignete der griechische Staat seine Ländereien – bleibt es ein kulturelles und spirituelles Zentrum der Insel.

Trotz der abgelegenen Lage und der steilen Stufen, die es zu erklimmen gilt, zieht das Kloster jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Die Aussicht über die tiefblauen Ägäis und das Gefühl, an einem Ort zu stehen, der seit Jahrhunderten als Brücke zwischen dem Irdischen und dem Himmlischen dient, machen den Aufstieg zu einem unvergesslichen Erlebnis. Doch Besucher sollten sich der spirituellen Bedeutung des Ortes bewusst sein: Es gilt eine strenge Kleiderordnung, und während des alljährlichen Festes zu Ehren der Panagia Hozoviotissa am 20. und 21. November wird die tiefe Verbundenheit der Inselbewohner mit ihrer Schutzpatronin gefeiert. (cs)

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