Neun Stunden Rockgeschichte im Zeitraffer: Tribute-Festival zieht 1500 Besucher in die NEW Box

Gegen Mitternacht lag noch immer ein spürbares Dröhnen in der Luft der NEW Box, als sich die letzten Akkorde legten und ein Konzerttag endete, der weniger wie eine einzelne Veranstaltung, sondern vielmehr wie ein komprimiertes Festival wirkte.
Von HB-Redakteurin Sabrina Köhler

Magazin/Mönchengladbach – Bereits Stunden zuvor hatte sich die Halle bis auf den letzten Platz gefüllt: Rund 1500 Besucher waren am Samstag gekommen, um die zweite Ausgabe des „Temple of Rock“ zu erleben – ein Format, das sich innerhalb eines Jahres vom vielversprechenden Debüt zu einem festen Termin im regionalen Veranstaltungskalender entwickelt hat.

Der eigentliche Reiz lag dabei nicht allein im Programm, sondern in dessen Verdichtung. Ohne längere Umbaupausen reihten sich die Auftritte aneinander, organisiert in einem fließenden Wechsel zwischen zwei Bühnen. Während im einen Moment noch die letzten Gitarrentöne verklangen, setzte wenige Meter weiter bereits der nächste Song ein. Dieses Prinzip verlieh dem Tag eine Dynamik, die das Publikum von Beginn an in Bewegung hielt.

Foto: Hellas-Bote/Maris Rietrums

Musikalisch spannte sich der Bogen weit. Die frühen Stunden gehörten den großen Namen des klassischen Rock: Songs von Metallica, AC/DC oder Deep Purple wurden mit bemerkenswerter Präzision interpretiert. Die Tribute-Bands – darunter Formationen wie „Meatallica“, „Bon Scotch“ oder „Deep White“ – beschränkten sich dabei nicht auf das bloße Nachspielen bekannter Titel, sondern inszenierten ihre Vorbilder mit sichtbarer Hingabe bis ins Detail. Kleidung, Gestik und Soundästhetik griffen ineinander und erzeugten ein Gesamtbild, das für viele Besucher erstaunlich nah an das Original heranreichte.

Im Verlauf des Abends verschob sich die Klangfarbe zunehmend. Mit Bands wie „Stacked Actors“ oder „Rage Against The System“ hielten modernere Einflüsse Einzug, ehe „Limp Business“ schließlich eine der intensivsten Szenen des Tages auslöste. In den ersten Reihen senkte sich das Publikum geschlossen zu Boden, nur um sich Sekunden später explosionsartig wieder zu erheben – ein Moment, der exemplarisch für die kollektive Energie dieses Abends stand.

„Das hat etwas von früher, nur dichter“, sagte ein Besucher, der eigens aus Krefeld angereist war. „Man bekommt hier an einem Tag das Gefühl von mehreren Konzerten – und alles ohne Leerlauf.“ Eine junge Frau, die mit Freunden aus der Region gekommen war, formulierte es ähnlich: „Ich war letztes Jahr schon hier, aber diesmal ist es noch intensiver. Man ist die ganze Zeit drin, es gibt keine Pausen, in denen die Stimmung abfällt.“

Tatsächlich wirkte das Publikum über weite Strecken wie ein einziger Organismus. Kaum ebbte ein Refrain ab, wurde er an anderer Stelle wieder aufgenommen, kaum senkten sich die Arme, gingen sie im nächsten Takt erneut nach oben. Unterstützt wurde diese Wirkung durch die Lichtregie, die mit schnellen Wechseln und gezielten Effekten arbeitete, ohne dabei die Musik zu überlagern.

Foto: Hellas-Bote/Maris Rietrums

Dass sich die Veranstaltung innerhalb kurzer Zeit etabliert hat, zeigt auch ein Blick zurück: Erst 2025 hatte das Format in Mönchengladbach Premiere gefeiert und bereits damals rund 1000 Menschen angezogen. Die diesjährige Steigerung auf etwa 1500 Besucher deutet darauf hin, dass das Konzept – eine konzentrierte Abfolge hochwertiger Tribute-Acts – einen Nerv getroffen hat. Der neue Name der Location, NEW Box, sowie ein überarbeitetes visuelles Erscheinungsbild unterstrichen den Anspruch, die Veranstaltung weiterzuentwickeln.

Auch organisatorisch zeigte sich die Veranstaltung routiniert. Mit Festivalbändchen ausgestattet, konnten sich die Gäste frei zwischen Innen- und Außenbereich bewegen, ohne den Anschluss an das Geschehen zu verlieren. Diese Offenheit verlieh dem Tag eine Struktur, die an größere Open-Air-Formate erinnerte, jedoch unter den kontrollierten Bedingungen einer Halle stattfand.

Für die beteiligten Künstler bedeutete der Auftritt vor einem derart aufnahmefähigen Publikum eine besondere Erfahrung. Immer wieder suchten sie den direkten Kontakt, forderten zum Mitsingen auf oder ließen einzelne Passagen vom Publikum tragen. Die Reaktionen folgten prompt, oft lautstark und mit sichtbarer Begeisterung. Als die letzten Besucher die Halle verließen, war der Blick bereits nach vorn gerichtet. Der Termin für die nächste Ausgabe steht fest: Am 13. März 2027 soll die NEW Box erneut zum Treffpunkt der Rockszene werden. (sk)

Foto: Hellas-Bote/Maris Rietrums