YouTube-Koch und Priester verhaftet: Polizei sprengt landesweiten Drogenring

Es klingt wie ein groteskes Drehbuch, doch es ist bittere Realität: In Griechenland haben Ermittler einen landesweit operierenden Drogenring ausgehoben, in dessen Zentrum gleich drei Priester stehen sollen. Schauplatz des unglaublichen Skandals: eine Kirche mitten in Athen, wo eigentlich Trost und Nächstenliebe gepredigt werden – und wo nun die Polizei Spuren von Drogen und Verrat fand.
Von HB-Redakteur Jorgos Kontos

Aktuell/Athen – Was wie eine Szene aus einem düsteren Krimi beginnt, hat die griechische Öffentlichkeit tief getroffen. Seit Monaten hatten Fahnder die Bande im Visier. Am Dienstag, dem 11. November, mussten die beschuldigten Geistlichen ihre Aussage abgeben – und die Ermittler enthüllten ein Netzwerk, das von Attika über Rhodos bis nach Mittelgriechenland reichte.

In der Liossion Avenue in Athen, in einer Suppenküche für Drogensüchtige, sollen die Geistlichen Kokain und Cannabis verkauft haben. Unter dem Deckmantel der Nächstenliebe soll der Kirchenraum zu einem Drehkreuz des Drogenhandels geworden sein. Dort, wo Bedürftige Suppe erhielten, wechselten laut Polizei auch „Kerzen“ und „Spaghetti“ den Besitzer – harmlose Codenamen für Kokain und Cannabis. Das Netzwerk war bestens organisiert. Cannabis wurde in der Region Fthiotida angebaut, das Kokain aus dem Ausland importiert. Ein Kilo der weißen Substanz erzielte bis zu 35.000 Euro, unverarbeitetes Cannabis rund 2.500 Euro. Acht Personen sollen zum inneren Kreis gehört haben.

Im Mittelpunkt steht ein 46-jähriger Geistlicher, der einst als YouTube-Koch Bekanntheit erlangte. Zwischen Töpfen und Rezepten für mediterrane Küche sammelte er über 200.000 Follower – und gleichzeitig, wie sich nun herausstellt, wohl Kontakte in die Drogenszene. Er soll selbst regelmäßig konsumiert haben.

Die Polizei nahm ihn auf Rhodos fest, als er rund 2,2 Kilo Kokain bei sich trug. Inzwischen ist klar: Der Mann war kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2002 wurde er aus der griechisch-orthodoxen Kirche entlassen. Später schloss er sich der Kirche der sogenannten Altkalendarier an, einer abseits der offiziellen Hierarchie stehenden Glaubensgemeinschaft, und ernannte sich selbst zum „Erzbischof von Athen und ganz Griechenland“. Zwischendurch versuchte er sich als Sänger, Model und Barkeeper – ein Leben zwischen Bühne und Beichte, zwischen Liturgie und Lüge. Nun sitzt er in Untersuchungshaft.

Auch die anderen beschuldigten Priester sollen tief in das Geschäft verstrickt gewesen sein. Einer von ihnen verbüßt bereits eine Haftstrafe wegen Menschenschmuggels – er hatte Migranten illegal von der Türkei nach Griechenland gebracht. Ein weiterer Geistlicher soll Drogen von Rhodos nach Athen geliefert haben. In einer Kirche in Attika fanden die Ermittler größere Mengen Kokain und Cannabis. Die Priester sollen ihren geistlichen Status gezielt genutzt haben, um Kontrollen zu umgehen und Vertrauen zu missbrauchen.

Die griechische Polizei hatte den Ring über ein halbes Jahr lang observiert. Ermittler hörten Telefone ab, folgten Lieferwegen und entschlüsselten die verschlüsselten Codebegriffe. Schließlich erfolgte der Zugriff. Insgesamt beschlagnahmten die Behörden 2,238 Gramm Kokain und über neun Kilogramm Cannabis. (jk)

Foto: Hellas-Bote