Im Herzen Südsiziliens, zwischen Weinreben, Barockfassaden und antiken Mosaiken, liegt eine Stadt, deren Geschichte in das Echo der griechischen Antike eingebettet ist: Comiso. Einst unter dem Namen Kasmenai bekannt, wurde der Ort 642 v. Chr. von syrakusanischen Griechen gegründet – in einer Epoche, als Hellas seine Kultur, Architektur und Sprache über das Mittelmeer verstreute.
Von HB-Redakteurin Sabrina Köhler
Reisen – Comiso, heute Teil des Freien Gemeindekonsortiums Ragusa, zählt rund 30.000 Einwohner und liegt malerisch 22 Kilometer westlich von Ragusa, in einer Landschaft, die von Landwirtschaft, Handwerk und Historie geprägt ist.
Die Stadtgründung durch Syrakus – einer der mächtigsten griechischen Stadtstaaten der Antike – stellt Comiso in die stolze Reihe hellenistischer Kolonien, wie Gela oder Akragas (Agrigent). Kasmenai war strategisch auf einem Hügel errichtet, um sowohl Handelswege als auch militärische Bewegungen zu kontrollieren. Der Glanz der griechischen Kultur, ihre Architektur und ihr Geist durchdrangen das Alltagsleben – und hallen bis heute nach.
212 v. Chr. fiel Kasmenai in römische Hände und wurde zerstört. Doch was die Geschichte niederreißt, baut der Mensch wieder auf: Nach der Verwüstung durch ein schweres Erdbeben im Jahr 1693 wurde Comiso neu errichtet – die Kirchen erhielten barocke Pracht, ohne jedoch die Wurzeln zu vergessen.
Der Diana-Brunnen sowie das Thermalbad aus römischer Zeit, in dem noch heute Mosaiken aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. zu sehen sind, bezeugen die lange kulturelle Kontinuität. Die Chiesa Madre Santa Maria delle Stelle sowie weitere Sakralbauten wie San Filippo Neri und San Francesco erzählen von byzantinischer, normannischer und barocker Baukunst.
Ein besonders stiller Zeuge ist das Kastell Naselli, das seine Ursprünge in der byzantinischen Epoche hat – es spiegelt die vielschichtige Historie Siziliens wider, die von Griechen, Römern, Byzantinern, Arabern und Normannen geprägt wurde.
Heute blickt Comiso nicht nur auf seine historische Bedeutung zurück – mit einem eigenen Bahnhof und dem modernen Flughafen, einst NATO-Stützpunkt während des Kalten Krieges, ist die Stadt auch ein Tor zur Welt. Dennoch bleibt sie ein Ort der Kontemplation, ein lebendiges Geschichtsbuch, in dem die griechische Seele der Antike in den Straßen weiterwandert. (sk)





