Metsovo – Das steinerne Herz des Pindos: Wo Geschichte, Natur und Legende verschmelzen

Versteckt auf 1160 Metern Höhe im wilden Pindos-Gebirge liegt Metsovo – eine aromunische Kleinstadt, deren Vergangenheit, Kultur und landschaftliche Schönheit sie zu einem einzigartigen Ort in Griechenland machen.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou

Reisen – Eingebettet zwischen den Regionen Epirus, Thessalien und Westmakedonien, ist Metsovo nicht nur geografischer, sondern auch kultureller Schnittpunkt. Hier entspringen bedeutende Flüsse, hier mischen sich antike Mythen mit osmanischer Geschichte und moderne Weinbaukunst mit volkstümlichem Erbe. Wer Metsovo besucht, erlebt ein lebendiges Denkmal griechischer Identität.

Foto: Hellas-Bote

Metsovo liegt malerisch auf einer Anhöhe über dem Fluss Metsovitikos, eingerahmt vom dramatischen Panorama des Pindos-Gebirges. Diese Region gilt als „hydrographisches Herz Griechenlands“, da hier gleich vier große Flüsse entspringen – darunter der Pinios, Aoos, Acheloos und der Arachthos. Die Gegend ist geologisch Teil der Flyschzone Zagorias, mit Böden aus Flyschsandstein, die einst die Grundlagen für die Viehzucht und später für den Weinanbau bildeten.

Das kontinentale Klima bringt schneereiche Winter und regenreiche Übergangszeiten mit sich – beste Voraussetzungen für Wintersport und dichte Wälder. Mit durchschnittlich 26,9 Schneetagen pro Jahr und über 1400 mm Niederschlag ist Metsovo eines der wasserreichsten Gebiete Griechenlands.

Die Geschichte Metsovos reicht weit zurück: Die Ursiedlung entstand strategisch günstig am antiken Passweg zwischen Epirus und Makedonien. Bronzefunde in Votonosi belegen eine Besiedlung seit dem 6. Jh. v. Chr. Im Mittelalter stieg Metsovo unter osmanischer Herrschaft zur halbautonomen Republik mit weitreichenden Privilegien auf. Der Legende nach verdankt die Stadt diese Sonderstellung einem Hirten namens Kyrgios Phlokas, der dem Sultan bei der Passüberquerung half.

In der Neuzeit wurde Metsovo im Balkankrieg 1912 von griechischen Truppen befreit und spielte während des Zweiten Weltkriegs erneut eine strategisch entscheidende Rolle. Trotz wiederholter Zerstörung und Entbehrung bewahrte sich Metsovo seine kulturelle Eigenständigkeit – und blieb stets das „Tor zwischen den Welten“.

Heute ist Metsovo ein Zentrum des Aromunen-Erbes. Die vlachische Sprache und Traditionen werden besonders beim jährlichen Aromunen-Festival zelebriert. Bekannt ist der Ort auch für seine kunstvolle Holzschnitzerei, die regionale Küche mit Spezialitäten wie dem würzigen Metsovone-Käse und seine bedeutende Rolle im griechischen Weinbau.

Dank Evangelos Averoff entwickelte sich Metsovo zum höchstgelegenen Weinanbaugebiet Griechenlands. Der international geschätzte Rotwein Katogi Averoff vereint französische Sorten wie Cabernet Sauvignon mit autochthonen Reben – ein Symbol für die Brücke zwischen Tradition und Moderne.

Foto: Hellas-Bote

Sehenswürdigkeiten:

  • Kloster Agios Nikolaos – ein historisches Juwel mit Wandmalereien aus dem 17. Jahrhundert
  • Volkskundemuseum Tossizza – mit authentischen Exponaten zur aromunischen Kultur
  • Katogi Averoff Weinkellerei – modernes Weinerlebniszentrum mit Verkostungen
  • Skizentrum Anilio – beliebtes Wintersportziel mit alpinem Flair
  • Zygos-/Katara-Pass – eindrucksvoller Hochpass mit sagenumwobener Vergangenheit
  • Stausee Limni o Pigon – Ort von landschaftlicher Ruhe und ökologischer Bedeutung

Es ist ein Ort, an dem sich Geschichte, Mythos, Naturgewalten und menschlicher Fleiß zu einem eindrucksvollen Mosaik vereinen. In den gepflasterten Gassen hallt die Geschichte, in den Weinkellern reift Zukunft, und in der klaren Gebirgsluft atmet das Erbe einer jahrhundertealten Kultur. (mv)

Foto: Hellas-Bote