Griechenland – ein Land, das für seine malerischen Inseln, antiken Ruinen und seine herzliche Gastfreundschaft bekannt ist. Doch hinter der Postkartenidylle spielt sich ein Drama ab, das Jahr für Jahr hunderttausende von Leben betrifft – das Leid der Straßenkatzen.
Von HB-Redakteurin Maria Vlachou
Aktuell/Natur & Umwelt – Straßenkatzen gehören in Griechenland längst zum Stadt- und Dorfbild. In fast jeder Gasse Athens, auf nahezu jeder Kykladeninsel, streifen ausgemergelte Tiere umher – auf der Suche nach Nahrung, Wasser und Schutz. Ihr Zustand ist oft erschütternd: verwahrlostes Fell, Verletzungen, Krankheiten wie Katzenschnupfen, Parasitenbefall oder FIV (Felines Immundefizienz-Virus) sind weit verbreitet. Kätzinnen bringen oft mehrere Würfe im Jahr zur Welt – viele der Kitten überleben die ersten Wochen nicht.
Die Ursachen für diese unkontrollierte Vermehrung sind vielfältig: fehlende Kastrationen, ausgesetzte Haustiere, mangelndes Bewusstsein und eine bislang unzureichende Reaktion der Behörden. Auch die wirtschaftliche Krise der vergangenen Jahre hat das Problem verschärft – viele Menschen konnten sich die Versorgung ihrer Haustiere nicht mehr leisten und setzten sie kurzerhand aus.

Zahlreiche Tierschutzorganisationen und ehrenamtliche Helfer setzen sich unermüdlich für die Straßentiere ein. Sie füttern Katzenkolonien, organisieren Kastrationskampagnen, versorgen verletzte Tiere medizinisch und versuchen, besonders schwachen Tieren ein Zuhause zu vermitteln – oft auch ins Ausland. Doch sie kämpfen gegen Windmühlen. „Ohne staatliche Unterstützung sind unsere Mittel begrenzt“, sagt Maria D., eine Tierschützerin aus Thessaloniki. „Wir finanzieren alles aus privaten Spenden. Dabei geht es hier nicht nur um Tierschutz, sondern auch um öffentliche Gesundheit.“
Bislang hat die griechische Regierung kaum wirksame Schritte unternommen, um das Problem systematisch anzugehen. Zwar gibt es Gesetze, die Tierquälerei unter Strafe stellen und theoretisch die Verantwortung von Gemeinden für Streuner festlegen. Doch in der Praxis fehlt es an Umsetzung, Kontrollen und nachhaltigen Strategien. Tierschützer kritisieren vor allem die mangelnde Koordination auf nationaler Ebene. Während einige Gemeinden lobenswerte Initiativen gestartet haben – etwa kostenlose Kastrationen in Zusammenarbeit mit Tierärzten – herrscht vielerorts Gleichgültigkeit oder gar Ablehnung.
Experten und Tierschutzorganisationen fordern ein umfassendes Maßnahmenpaket, das aus folgenden Elementen bestehen könnte:
- Flächendeckende Kastrationsprogramme
Staatlich finanzierte Kastrationsaktionen in Städten und Dörfern, möglichst in Zusammenarbeit mit mobilen Tierarztteams, könnten die Populationen nachhaltig reduzieren. - Aufklärungsarbeit in Schulen und Medien
Bildungskampagnen könnten das Bewusstsein für Tierwohl stärken, Missverständnisse über Straßentiere abbauen und verantwortungsvolle Tierhaltung fördern. - Durchsetzen der Registrierungspflicht und Kontrolle von Haustieren
Durch Mikrochip-Pflicht und Registrierung könnten ausgesetzte Tiere leichter identifiziert und Halter zur Rechenschaft gezogen werden. - Förderung von Tierheimen und Pflegestellen
Der Ausbau von staatlich unterstützten, gut geführten Tierheimen wäre ein dringend benötigter Schritt, um verletzte und gefährdete Tiere aufzunehmen. - Verstärkte Strafverfolgung bei Tiermissbrauch
Gesetzliche Bestimmungen gegen Tierquälerei existieren bereits – sie müssen allerdings konsequenter angewandt und Verstöße stärker sanktioniert werden.
Das Leid der Straßenkatzen ist nicht nur ein tierethisches Problem, sondern auch ein Spiegelbild gesellschaftlicher Verantwortung. Griechenland steht vor der Wahl, diesen Tieren endlich systematisch zu helfen – oder sie weiterhin ihrem Schicksal zu überlassen. Eine flächendeckende Lösung wäre ein Zeichen von Mitgefühl, Verantwortung und zivilisatorischem Fortschritt.
Denn wie sagte schon Mahatma Gandhi: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.“ (mv)
